11 Gründe warum Schreiben so heilsam ist!

Von Claudia Tetz-Froböse

Das Schreiben heilsam ist, belegen mittlerweile über 200 Studien aus der ganzen Welt. Das therapeutische Potenzial des Schreibens entdeckte der Psychologe James W. Pennebaker von der University of Texas eher zufällig, als er mit seinen Studenten Mitte der 80er Jahren ein Experiment durchführte. Dabei sollte die eine Gruppe an vier aufeinanderfolgenden Tagen jeweils für 15 Minuten belanglose Erinnerungen aufschreiben, die andere Gruppe sollte über eine schwer belastende, womöglich sogar traumatische Erfahrungen ihres Lebens schreiben.

In den Folgemonaten war Pennebaker sehr erstaunt darüber, dass die Gruppe, die über das belastende Erlebnis geschrieben hatte, seltener krank war, weniger zum Arzt ging und hilfsbereiter und fröhlicher wirkte als die Personen der anderen Gruppe. Viele von ihnen erklärten sogar, dass dieses Schreiben ihr Leben verändert hätte. Das expressive Schreiben war geboren und ist mittlerweile vor allem in Amerika eine anerkannte Therapieform. Das Experiment wurde seitdem übrigens mehrfach mit unterschiedlichen Personengruppen wiederholt, die Ergebnisse blieben gleich.

Die spannende Frage ist: Warum ist das Schreiben so heilsam?

Da kann ich aus eigenen Erfahrungen jede Menge Gründe anführen:

Freundinnen

1. Schreiben ist die Schulter, an die du dich lehnen kannst

Gerade, wenn du alleine lebst, oder in einer Situation steckt, über die du mit niemandem sprechen möchtest, ist das Schreiben wie ein guter Freund. Dem Papier (oder dem PC) kannst du all deine Gedanken anvertrauen. Du kannst schriftlich seufzen, schimpfen, anklagen, begeistert erzählen, nachfragen, nachdenken – whatever.

Jeglicher Kummer, aber natürlich auch jegliche Freude ist hier gut aufgehoben. Fast genauso, als ob dich ein guter Freund in den Arm nehmen würde. Die Wirkung ist jedenfalls ähnlich:

  • So, wie du dich mit der Zeit beruhigst, wenn du deinem guten Freund von einem aufregenden Ereignis erzählst, so beruhigst du dich auch beim Schreiben.
  • So, wie du dich mit der Zeit getröstet fühlst, wenn du deinem guten Freund deine Traurigkeit offenbarst, so tröstet dich auch das Schreiben.
  • Und selbst Fragen, die du beim Schreiben stellst, werden beantwortet, denn die Antwort bildet sich in deinem Innern, während du schreibst.

2. Schreiben ist Balsam auf den Kratzern deiner Seele

Du hast eine schlimme Erfahrung gemacht, eine belastende Situation durchlebt oder womöglich ein Trauma erfahren? Dann ist Schreiben ein wunderbar heilsames Mittel. Es ist, als ob du eine tiefe Wunde liebevoll versorgst. Mit jedem Satz, den du über das Schreckliche schreibst, salbst du deine Wunde. Natürlich kann das am Anfang schmerzhaft sein. Vielleicht wirst du weinen, trauern, wütend sein, aber mit der Zeit und mit jedem weiteren Satz tut es weniger weh. Bald ist es nur noch ein leichtes Schrinnen, dann wird es noch besser, immer heiler – weil du dich um deine Verletzung kümmerst.

Wobei hier klar gesagt werden muss, dass Schreiben nicht die dringend notwendige Therapie oder den Arztbesuch ersetzt. Falls du weißt, dass du eigentlich zum Arzt oder Therapeuten gehen solltest und dich davor ein wenig drückst, kann dir das Schreiben aber womöglich auch helfen. Liste dir doch einmal deine Bedenken bezüglich einer benötigten Behandlung auf? Was in dir will das nicht und warum will es das nicht? Mit den Antworten kommst du dir auf die Schliche und kannst bestenfalls deine Bedenken zerstreuen oder hast Klarheit, was du mit deinem Arzt oder Therapeuten im Vorfeld klären solltest, um dich dort wohlzufühlen.

3. Schreiben ist das Ooohm deines Seins

Vielleicht hast du schon einmal das Meditieren ausprobiert. Wenn du es kannst, erlebst du eine Stille zwischen den Gedanken, die dir Ruhe und Gelassenheit bringt.  Sie hilft dir, dich zu fokussieren und zu konzentrieren. Das ist sehr angenehm.

Wenn das mit dem Meditieren bei dir nicht so richtig klappt, weil dauernd die Gedanken dazwischenwuseln, die Außengeräusche stören, die Nase kitzelt oder der Fuß juckt, dann versuche es mal mit Schreiben. Schreiben ist eine echt meditative Angelegenheit, denn du bist ganz bei dir und schreibst dir die Gedanken aus dem Kopf. Dass es heilsam ist, in sich zu ruhen und immer mal wieder die Stille zu genießen, ist bekannt. Dass dieser Moment auch durch Schreiben hervorgerufen werden kann, ist jedoch den wenigsten bewusst. Dabei funktioniert es wirklich gut.

4. Schreiben löst Verspannungen

Wenn du schreibst, lösen sich Verspannungen automatisch auf. Denn, egal ob du schreibend Belastendes reflektierst, Fiktionales aufschreibst und damit deine Fantasie in Schwung bringst oder dich mit anderen Texten beschäftigst. Es wirkt entspannend. Durch die Konzentration auf das Schreiben und auf dich selbst kehrt Ruhe ein und diese Ruhe entspannt deine Muskeln nachweislich.

Wut

5. Schreiben zähmt die Wut

Kennst du das? Du schäumst vor Wut, regst dich über irgendeine Ungerechtigkeit auf. Dein Blutdruck steigt, die Zornesröte steht dir ins Gesicht geschrieben und du weißt gar nicht wohin mit den überschäumenden Emotionen. Cool down! Versuche, es aufzuschreiben. Schreib einfach die ganze Wut aus dir heraus. Beklage dich lautstark auf dem Papier, schimpfe schriftlich mit dem (vermeintlichen) Verursacher deiner Wut, lästere so richtig ab . . . Irgendwann passiert etwas Erstaunliches: Je mehr fluchende Sätze das Papier erreichen, desto mehr harmonisiert sich deine Stimmung. Du wirst milder und kannst die Wut einfach loslassen. Bestenfalls kannst du beim nochmaligen Durchlesen sogar darüber lachen, wie sehr du dich aufgeregt hast. Und vielleicht empfindest du den Auslöser jetzt eher als Kleinigkeit.

6. Schreiben hilft zu verstehen und anzunehmen

Es gibt Momente im Leben, die sind einfach ganz und gar unverständlich. Vielleicht hat dich jemand sehr schlecht behandelt oder du hast einen Verlust zu beklagen. Was auch immer genau geschehen ist – du verstehst die Welt nicht mehr und du willst das Geschehene auf keinen Fall akzeptieren. Es tut viel zu sehr weh oder ist ungerecht oder unverschämt. Schreib darüber! Frag nach! Ja, ich weiß, das hört sich seltsam an. Wen sollst du schon fragen, wenn du mit deinem Notizblock allein bist. Frag einfach dich! Und dann erklär dir selbst, warum du die Situation nicht verstehen kannst und warum du sie auch nicht akzeptieren willst. Frag dich, ob du irgendetwas übersiehst? Ob es einen guten Grund für diese scheußliche Sache gibt? Wofür das Ganze gut sein soll? Schreib all dein Unverständnis auf und frag danach. Und dann lausche nach innen. Wahrscheinlich wird es gar nicht lange dauern, schon tauchen Antworten in dir auf. Schreib auch diese auf. Je länger du mit dir selbst im schreibenden Dialog bist, desto klarer werden die Antworten und womöglich führt es dazu, dass du verstehst, warum es nun einmal so ist, wie es ist. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, dass du es auch akzeptieren kannst. Zum Schluss kann auch diese Sache heilen.

7. Schreiben verändert die Welt

Autoren schaffen manchmal mit ihren Büchern ganz neue Welten, denk nur an das Auenland im Herrn der Ringe oder Narnia in den Büchern von C. S. Lewis oder auch Phantásien in der Unendlichen Geschichte von Michael Ende.

Manche Autoren schaffen nicht nur neue fantastische Welten, sondern ändern auch die reale Welt. So hat es beispielsweise J. K. Rowling mit Harry Potter geschafft, dass sich zigtausende Kinder auf das Lesen eines 800 Seiten dicken Wälzers freuten. Wenn das mal nicht weltverändernd war.

Doch auch wenn du kein Schriftsteller bist, kannst du schreibend die Welt verändern. Besonders interessant ist es, deine eigene Welt zu verändern. 

Stell dir vor, wie dein Traumleben aussehen könnte. Ein Leben, das zu 100 Prozent auf dich abgestimmt ist, in dem alles genau richtig für dich ist. Schreib es auf und schreib es so auf, als würdest du bereits in dieser Welt leben. Bedanke dich für die Großartigkeit deines Lebens und beschreibe es in allen Details. Mach es dir zur lieben Routine, jeden Tag ein wenig mehr aus deiner Wunschwelt schreibend zu erkunden und dem Papier preiszugeben. Und wundere dich nicht, wenn sich immer mehr von dieser Welt in deiner Realität manifestiert. 

Schreiben ist nämlich WUNDER-voll!

8. Schreiben hilft zu verzeihen

Mit dem Verzeihen ist es so ähnlich wie mit dem Verstehen. Wenn dir jemand weh getan hat, dann bist du zurecht enttäuscht, verletzt und vielleicht auch wütend oder traurig. Vielleicht kannst du dir im ersten Moment nicht vorstellen, dieser Person jemals zu verzeihen. Aber versuch es mit dem Aufschreiben. Schreib erst einmal all deine Frustration heraus. Beschreibe deine Sicht der Dinge, deine Enttäuschung. Schimpfe, klag an, meckere schreibend so richtig vor dich hin. Und zum Schluss frag, welchen guten Grund es geben könnte, der Person nach dieser schlimmen Sache zu verzeihen. Und dann schreib die Gründe genauso auf, wie vorher die Fragen und das Geschimpfe. Ich bin mir sicher, es gibt viele Gründe, warum du verzeihen solltest. Manchmal dauert es ein wenig, bis diese an die Oberfläche dringen. Aber gib nicht auf, frag immer wieder schreibend nach.

9. Schreiben bringt dein inneres Kind nach Hause

Kennst du dein inneres Kind schon? Es steckt in jedem von uns und es hat die unterschiedlichsten Erinnerungen. Schöne und nicht so schöne. Aus manchen Erinnerungen sind Glaubenssätze entstanden. Glaubenssätze, die uns täglich beeinflussen. Manchmal war es nur eine Kleinigkeit, die überhaupt nicht böse gemeint war, die aber einen Glaubenssatz geprägt hat, der dich bis heute negativ beeinflusst. Oft stammen diese Sätze von einer deiner engsten Bezugspersonen. 

 

Häufige Glaubenssätze sind beispielsweise:

  • Du bist nicht gut genug.
  • Du bist aber wirklich eine Dramaqueen.
  • Stell dich nicht so an, das Leben ist eben hart.
  • Nur wer viel leistet ist etwas wert.
  • Man kann nicht alles haben.
  • etc.

Kommt dir das bekannt vor? Willkommen im Club! Nahezu jeder Mensch hat einen oder mehrere Glaubenssätze dieser Art, die ihn beeinflussen und manchmal sogar behindern.

Du kannst sie schreibend aufspüren, indem du dein inneres Kind befragst. Und dann kannst du deinem inneren Kind schreiben und es so nachträglich in den Arm nehmen. Du kannst ihm die Hilfe und das Verständnis entgegenbringen, dass es damals in der Situation der Glaubenssatzentstehung gebraucht hätte. Manchmal reicht es schon, eine bestimmte Situation in der Rückschau als Erwachsener wahrzunehmen und festzustellen, dass es sich um ein Missverständnis handelte. Auch das kannst du deinem inneren Kind schreiben und ihm alles erklären.

10. Schreiben macht dich selbstwirksam

Schreiben ist etwas, dass jeder kann. Wir alle haben es gelernt und es steht uns mit unendlichen Möglichkeiten zur Verfügung. Beim Schreiben bist du zu 100 % selbstwirksam. Und ich meine hier nicht das perfekte Schreiben im Sinne orthographischer und grammatikalischer Regeln. Nein, es geht, um die Möglichkeit, dich schreibend auszudrücken. Nur für dich. Die Öffentlichkeit geht das gar nichts an, jedenfalls nicht, wenn du es nicht willst. Du kannst dir alles Mögliche schreibend vorstellen und in allen Details ausarbeiten. Wenn du es schreiben kannst, kannst du es auch in der Wirklichkeit umsetzen. Mit jedem Satz, den du aufs Papier bringst, wirst du dir deiner Selbst bewusster und sicherer und vor allem auch wirksam.

Schlüssel

11. Schreiben ist der Schlüssel zum Heilen

Schreiben ist ein Schlüssel, der dir hilft, zu entdecken, zu verstehen, zu verzeihen und vieles mehr. 

Dieser Schlüssel bringt dir Klarheit und Wahrhaftigkeit. 

  • Je länger du schreibst, desto mehr verstehst du. 
  • Je mehr du verstehst, desto eher verzeihst du. 
  • Je milder du wirst, desto ruhiger wirst du. 
  • Je ruhiger du wirst, desto eher bist du bereit loszulassen. 
  • Und je mehr du loslässt, desto heiler wirst du. 

Letztlich ist Schreiben ein Weg, der jedem, der es mag, zur Verfügung steht und der so viel zu bieten hat.

 

 

 

In diesem Sinne: SCHREIBE & HEILE!

 

 

 

Alles Liebe 

Claudia

Titelbild: Mysticartdesign auf Pixabay | Freundinnen: Hian Oliveira auf Unsplash | Buddha: Wilsan U. auf Unsplash | Wut: Andre Hunter auf Unsplash | Welt: stocpic auf Pixabay | Mutter & Kind: josealbafotos auf Pixabay | Schlüssel: Carolyn V. auf Unsplash

close
Logo Schreiben und Heilen

Einstieg ins
Schreiben und Heilen

Entfessle in 7 Tagen schreibend deine echte Kraft. Werde auch im Innen stark und selbstwirksam.
Kostenlos – einfach unbezahlbar!

Weil wir es wirklich blöd finden - Wir senden keinen Spam!

Pssst - teilen erlaubt!