Die 5 Elemente des achtsamen Schreibens

Von Claudia Tetz-Froböse
achtsam schreiben

Achtsamkeit!

Dieses Wort ist in den letzten Jahren so oft genutzt worden. In den Medien, in der Social Media Welt, in Seminaren, beim Yoga, in der Kindererziehung – egal wohin du gehst oder schaust, sei achtsam! Ehrlich gesagt, geht mir Achtsamkeit in dieser Häufung ziemlich auf den Keks. Was total schade ist, denn Achtsamkeit ist so wichtig für die Selbstfürsorge, für die Gemeinschaft, für das Leben.

Aber als „Massenphänomen“ kommt es mir eher hart und störrisch entgegen. Mit einem Ausrufezeichen dahinter. Sei achtsam! Wehe, wenn du nicht achtsam bist! Achtsamkeit ist eine Tugend! Warst du heute achtsam? Na, dann aber mal ran an die tägliche Achtsamkeitsportion!

So macht mir Achtsamkeit keinen Spaß 🤷‍♀️

Wenn ich mich jedoch davon befreie und das Wort „Achtsamkeit“ in meinem Kopf hin und her bewege, ihm Raum gebe und es sich entfalten kann, dann ist es weich und fließend, fühlt sich warm und wohlig an – wie eine Kuscheldecke. Es hat etwas Grundgutes und ich spüre instinktiv, dass es rundum positiv für mich ist.

Und genau diese Achtsamkeit meine ich, wenn ich von „achtsam sein“ spreche – die warme, weiche Kuscheldecken-Achtsamkeit. Das ist die, die wir für das heilende Schreiben so gut gebrauchen können. 

Achtsames Schreiben ist auch immer heilsames Schreiben.
Claudia
Claudia Tetz-Froböse
Gründerin von schreiben & heilen

Denn sich selbst wahrnehmen mit allen Emotionen, körperlichen Empfindungen, vagen und konkreten Gedanken, ist eine wichtige Voraussetzung, um in den Heilungsprozess einzusteigen. Das gilt übrigens nicht nur für das heilende Schreiben, sondern ist in jedem Heilungsprozess elementar.

Dabei gibt es fünf Elemente der Achtsamkeit, die für dich interessant sind und die dein heilendes Schreiben unterstützen.

1. Sei gegenwärtig

Bevor du für dich wichtige Themen schreibend bearbeiten kannst, solltest du erst einmal ankommen. Ankommen bei dir, in deinem Körper und Geist, in diesem Moment, im Jetzt.

Wir alle kennen diese flüchtigen Gedanken, die immer dann störend durchs Hirn sausen, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können. Immer wenn wir uns auf etwas konzentrieren möchten, sind sie sofort zur Stelle. Da gehen wir in Gedanken noch einmal das Gespräch von gestern mit der Nachbarin durch, überlegen, was wir zur Schultheateraufführung der Tochter in der nächsten Woche anziehen, haken gedanklich die To do Liste ab oder versuchen die Erinnerung „Geburtstagsgeschenk für Petra kaufen“ im Kopf zu behalten.

Hilfreich ist es, vor dem Schreiben so gut wie möglich bei dir anzukommen. Dabei hilft dir beispielsweise die  Atemmeditation oder der Bodyscan. Wenn die Gedanken dann immer noch beim Schreiben auftauchen, versuche nicht sie zu unterdrücken, dadurch fließen sie nur noch schneller. Nimm sie stattdessen wahr und entscheide bewusst, dich ihnen später zuzuwenden.

Ich teile mir dafür meine Hefte oder Schreibblätter so ein, dass ich am rechten Rand Platz lasse für die flüchtigen Gedanken. Ich notiere mir einfach Stichworte am Rand und kann mir so sicher sein, nichts zu vergessen. Du kannst auch Haftnotizzettel nutzen. Am PC schreibe ich meistens mit einem Autorenprogramm, das mir erlaubt nebenbei Notizzettel zu eröffnen und an mein Arbeitsblatt „zu kleben“. Aber auch in anderen Textverarbeitungsprogrammen gibt es eine Kommentierfunktion oder Ähnliches, das dir weiterhelfen kann.

Ein zentrales Element beim heilenden Schreiben sind die körperlichen Empfindungen. Diese geben dir oft Hinweise auf besonders wichtige Themen, die zu bearbeiten wären. Achte also wirklich sehr genau auf das Gefühl und die Körperempfindung, die sich in dein Bewusstsein drängen und schreibe sie ebenfalls in dein Notizfeld. Wenn du mit unterschiedlichen Farben arbeitest, ist es für dich hinterher noch schneller ersichtlich, zu welchem Thema du nebenbei notiert hast. Bei mir sind allgemeine Gedanken auf gelben Notizzetteln, Empfindungen auf pinken Zetteln.

Hier siehst du, wie das bei mir so aussieht 🙂

Beispieltext

2. Glaub an dich

Wir alle sind in einer Welt großgeworden, in der Leistung, Verhalten, Auftreten und was weiß ich noch alles sofort bewertet wird. Natürlich haben wir alle auch unseren eingebauten Kritiker, der sich sofort meldet, wenn wir etwas beendet haben. Du hast also deinen Text zu einem für dich wichtigen, zu heilenden Thema geschrieben und kaum legst du den Stift zur Seite oder nimmst die Finger von der Tastatur, meldet sich diese innere Stimme. „Wie konntest du es nur zu dieser beschriebenen Situation kommen lassen? Andere hätten da bestimmt schneller, entspannter, intelligenter reagiert.“ Oder „Oh je, ich hab immer noch diese Sauklaue, die meine Mutter schon immer bemängelt hat. Es wird Zeit, dass ich ordentlicher schreibe.“ STOP!

Bewerte nicht! Weder die beschriebene Situation, noch deinen Schreibstil, die Schrift oder Sonstiges. Nimm es allenfalls wahr, schreib es auf dein Notizzettelchen und lass den Gedanken weiterziehen – lass ihn los. 

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.​

Dschalal ad-Din ar-Rumi​

3. Genieße den Zauber des Anfangs

achtsam schreiben

Diesen Anfangszauber solltest du jedes Mal spüren, wenn du über ein Thema schreibst. Denn dann hast du automatisch den Bewerter in dir ausgeschaltet. Du bist neugierig und gespannt auf das, was sich da so aus dir herausschreibt und grundsätzlich erst einmal wohlwollend dir und deiner Absicht gegenüber. Das ist genau die richtige Haltung, die dich weiterbringt. Stell dir dich selbst als kleines Mädchen (oder Jungen) vor, der dich mit großen neugierigen Augen anschaut, wenn du eine Geschichte erzählst und der vor Freude hüpft und ruft: „Erzähl mir mehr, los, los – erzähl.“

4. Beobachte dich - bleib außen vor

Hört sich das für dich erst einmal nach einem Widerspruch an? Du sollst über dich und deine tiefsten Gedanken schreiben und gleichzeitig erzähle ich dir, du sollst nicht im Geschehen sein. Komisch, oder?

So komisch ist das gar nicht, denn du bist mehr, als deine Gedanken über dich. Und es gibt mehr als eine Sichtweise zu dem Thema, das du beschrieben hast. Es gibt unterschiedlichste Perspektiven, die du zur Deutung heranziehen kannst.

Ein weiterer Aspekt ist, dass du dich so ein wenig schützt, vor möglicherweise schmerzhaften Erinnerungen. Du bleibst in der Beobachterposition. Nicht dir passiert das gerade, sondern du siehst, was geschieht, und du kannst als allwissende Beobachterin die Hilfe holen oder den Weg wählen, der sinnvoll ist.

Das ist übrigens ganz wesentlich in unserer Zusammenarbeit. Wenn ich dich nicht persönlich coache, nutze ich grundsätzlich nur Übungen und Methoden, die dich in einem dissoziierten Zustand (so heißt diese Beobachterposition im Coaching oder auch in der Therapie) lassen. Übungen, bei denen du in eine Situation komplett eintauchst (assoziierter Zustand) wende ich nur im positiven Kontext an oder wenn ich persönlich dabei bin und dir sicher wieder heraushelfen kann. Du kannst also wirklich entspannt die Übungen bearbeiten.

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5. Hab Mitgefühl mit dir

Was auch immer dich beim heilenden Schreiben umtreibt. Hab Verständnis und Mitgefühl für dich. Betrachte dich durch die rosarote Brille der Liebe. Egal, ob es dir nun leicht- oder schwerfällt zu schreiben, egal, ob du in eine Bewertung rutscht oder diese vermeiden kannst, egal, ob du vor, während oder nach dem Schreiben lachst oder weinst – es ist in Ordnung!

Verurteile dich nicht, schimpfe nicht mit dir, sondern nimm dich gedanklich in den Arm und tröste dich. Es ist in Ordnung!

Behandle dich so, wie deine allerbeste Freundin es tun würde. Immer mit dem wohlwollenden Blick der unbedingten Zuneigung zu dir.

Dein Merkzettel
5 Elemente achtsamen Schreibens

  1. Sei gegenwärtig 
  2. Glaub an dich
  3. Genieße den Anfangszauber
  4. Beobachte dich 
  5. Hab Mitgefühl mit dir
Alles Liebe und denk daran: Schreiben hilft!

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Interne Links:  AtemmeditationBodyscan

Fotos auf dieser Seite

Titelfoto: jplenio auf Pixabay | Screenshot: Claudia Tetz-Froböse  | Zauberstab: Angeleses auf Pixabay | Brille: Mabel Amber auf Pixabay | Stopschild: Elisa Riva auf Pixabay

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